Rategeber zur Stressbewältigung – Teil 4 – Fibromyalgie

Fibromyalgie

Die Fibromyalgie (lat. „fibra“ , Faser; griech. „mys“, Muskel; griech. „álgos“, Schmerz) – früher auch bekannt als Generalisierte Tendomyopathie (GTM) – beschreibt einen Faser-Muskel-Schmerz, der sich zunächst ganz unauffällig durch Schlafstörungen, Abgeschlagenheit oder auch Magen-Darm-Beschwerden einschleicht. Darauf folgen Schmerzen im Lendenbereich, manchmal auch an der Halswirbelsäule. Nach und nach treten die für die Fibromyalgie typischen Schmerzen in Armen und Beinen auf. Es dauert etwa sieben bis acht Jahre, bis sich die Erkrankung voll entwickelt hat.

Heftige Schmerzanfälle wechseln sich mit schmerzfreien Phasen ab. Die Schmerzschübe sind schwer vorherzusehen, allerdings hat es sich gezeigt, dass sowohl Infekte wie Grippe oder Lungenentzündung aber auch andauernde Stressbelastung zur Verschlimmerung der Krankheit beitragen. Da viele Betroffene nach stressigen Situationen über vermehrte körperliche wie auch psychische Symptome klagen, ist die Stabilität der erkrankten Personen für das Wohlbefinden von besonderer Bedeutung. Stress sollte folglich, unabhängig davon, ob es sich um positiven oder negativen Stress handelt, weitestgehend vermieden werden.

Diagnose und Symptome

Da Röntgenbilder und Laborwerte keine eindeutige Diagnose ermöglichen, analysiert der behandelnde Arzt zunächst die Symptome, die in die Haupt- und Nebensymptome eingeteilt werden.

Zu den Hauptsymptomen gehören chronische Schmerzen vor allem im Rücken, Nacken und Brustkorb sowie in den Gelenken der Arme und Beine. Kopfschmerzen wachsen sich oft bis zur Migräne aus. Außerdem klagen Patienten über ständige Müdigkeit und Konzentrationsschwäche, Erschöpfung und Schlafstörungen.

Begleitsymptome sind angeschwollene Hände, Füße oder auch Gesicht. Betroffene berichten von einer Morgensteife, Reizdarm und –magen, trockene und empfindliche Schleimhäute. Sie klagen über eine erhöhte Ängstlichkeit und Depressivität, über verstärkte Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Licht und Temperatureinflüssen.

Um eine sichere Diagnose zu erleichtern, werden so genannte „tender points“ (engl.: empfindsame Punkte) herangezogen.
Tender points sind 18 Diagnosepunkte, die sich gelenknah an den Sehnen-Muskel-Ansätzen befinden. Besteht bei mindestens elf dieser Punkte eine schmerzhafte Druckempfindlichkeit, bestätigt dies den Verdacht auf Fibromyalgie.

Aufgrund der schwierigen Diagnose wird Fibromyalgie nicht selten erst nach acht bis zehn Jahren festgestellt. Dies bietet der Erkrankung ausreichend Zeit, sich voll zu entwickeln. Betroffene haben dann auch mit Herzrhythmusstörungen, Schlaganfällen, Hautexanthemen, Haarausfall und Atembeschwerden zu kämpfen. Sie reagieren überempfindlich auf Berührung, verspüren Schmerzen in den Nieren, in der Kaumuskulatur und im Brustbereich. Taubheitsgefühle treten auf, gefolgt von zitternden Händen und Krämpfen in den Beinen. Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit können in starke Depressionen umschlagen.

Psychische Belastung

Betroffene leiden oft viele Jahre unter der schmerzhaften Erkrankung und den damit verbundenen physischen wie auch psychischen Belastungen, ehe Fibromyalgie letztendlich diagnostiziert wird. Auf der Suche nach Hilfe wechseln sie von Arzt zu Arzt, sie fühlen sich nicht ernst genommen, werden sogar als Hypochonder belächelt.

Dies führt häufig auch zu Problemen, als arbeitsunfähig anerkannt zu werden. Soziale wie auch finanzielle Konsequenzen beeinträchtigen die Lebensqualität in erheblichem Maße.

Unabhängig davon treten bei Fibromyalgie-Patienten sehr häufig auch psychosomatische Störungen wie z.B. Depressionen auf.

Anlaufstellen

Eine medikamentöse Behandlung allein führt nur zu unzureichender Verbesserung der Lebensqualität.
Wichtig ist, dass die Betroffenen lernen, mit Fibromyalgie zu leben. Neben ärztlicher Behandlung sind somit auch Sporttherapeuten eine geeignete Anlaufstelle, denn diese können über Ausdauersport das Herz-Kreislauf-System kontinuierlich verbessern.
Auch physikalische Therapien und Ganzkörperwärmetherapien zeigten bereits deutliche Erfolge in der Schmerztherapie.
Psychologische Maßnahmen und Entspannungstechniken, z.B. autogenes Training, bewähren sich im Zuge der Stressbewältigung und führen somit ebenfalls zu einer Verbesserung der Lebensqualität von Fibromyalgie-Patienten.